Normung zu Druckgeräten aus additiver Fertigung – neue DIN SPEC 17026-14

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Die additive Fertigung (AM = Additive Manufacturing) gewinnt in zahlreichen Branchen des Maschinenbaus immer mehr an Bedeutung. Auch Hersteller im Anlagen- und Apparatebau haben schon seit einigen Jahren die Vorteile und Möglichkeiten erkannt, die sich aus der neuen Technologie ergeben: Komplexe – mit herkömmlichen Methoden kaum realisierbare – Konstruktionen, aber auch kurzfristig erforderliche Reparaturen oder Änderungen werden durch die neue Technologie plötzlich möglich.

Jedoch unterliegt gerade der Apparatebau aufgrund des beträchtlichen Gefährdungspotentials durch Überdruck mit der europäischen Druckgeräterichtlinie 2014/68/EU (PED = engl.: Pressure Equipment Directive) sehr strengen technischen Auflagen, die einen Einsatz additiv gefertigter Bauteile oder gar ganzer Druckgeräte im Anlagenbau vor Herausforderungen stellen.

Um den rechtskonformen Einsatz ganz oder teilweise AM-gefertigter Produkte im Umfeld der Druckgeräterichtlinie zu erleichtern, startete auf VDMA-Initiative vor anderthalb Jahren ein europäisches Normungsprojekt mit dem Ziel, eine harmonisierte Norm im Rahmen der Druckbehälternorm EN 13445 zu erarbeiten. Unter intensiver Zusammenarbeit von Anlagenbau- und AM-Experten aus zahlreichen EU-Mitgliedsländern ist ein erster Normentwurf entstanden, in dem Anforderungen formuliert werden, die eine PED-konforme Herstellung AM-gefertigter Bauteil oder Druckgeräte ermöglichen.

Aufgrund divergierender Ansätze in verschiedenen Industrien und EU-Mitgliedsstaaten wird es bis zur Veröffentlichung der europäischen Norm aber sicher noch 2-3 Jahre dauern. Daher hat das zuständige deutsche Normungsgremium entschieden, den bisher auf europäischer Ebene erreichten Sachstand als technischen Bericht mit dem Titel DIN SPEC 17026-14 zu veröffentlichen.

In die europäischen Normungsarbeiten sind von deutscher Seite Vertreter von Herstellern, Betreibern und notifizierten Stellen sehr intensiv eingebunden. Die künftige DIN SPEC 17026-14 erhebt dabei naturgemäß keinen Anspruch auf automatische Konformität mit der PED und wird im Laufe der nächsten Jahre sicher noch einige Änderungen oder Erweiterungen erfahren. Jedoch wird damit auf deutscher Ebene zum ersten Mal ein allgemein verfügbares Dokument existieren, auf welches sich die verschiedenen Parteien (Hersteller, Kunden und Überwachungsstellen) beziehen können.

Die DIN SPEC 17026-14 soll nach derzeitigem Stand im April 2020 veröffentlicht werden. Für weitere Informationen können Sie gerne Kontakt aufnehmen zu Dr. Wohnsland, der als Obmann die Normungsarbeiten auf europäische Ebene koordiniert.