Interview mit Axel Weidner, Vorsitzender der FG Industriearmaturen

Mankenberg

Kernthemen der ACHEMA 2018 werden Vernetzung und Kommunikation sein, der Fokus liegt auf Anwendungen im IoT und Industrie 4.0.

Mankenberg

Axel Weidner ist der Geschäftsführer der Firma Mankenberg GmbH, Lübeck.

Vom Standardventil bis zur kundenspezifischen Sonderlösung: Mankenberg steht als mittelständisches Unternehmen seit 1885 mit Erfahrung und technischem Know-How für optimierte Lösungen. Mankenberg-Ventile sind seit jeher bekannt für ihre Zuverlässigkeit, ihre Funktionssicherheit und ihre lange Lebensdauer.

 

Wie beurteilen Sie die nationale und internationale Marktsituation?

Axel Weidner: Der relativ guten Geschäftslage stehen einige Risiken auf internationaler Ebene - aber eben auch im Heimatmarkt gegenüber:   

Das halbjährige Ringen um die Regierungsbildung hat zur Verunsicherung von Wirtschaft und Bürgern geführt. Ein hoher Tarifabschluss hat die Arbeitskraft in Deutschland weiter verteuert, insbesondere der personalintensive Mittelstand leidet darunter. Drohende Fahrverbote haben zu einem Paradigmenwechsel in Deutschland geführt und die treibende Automobilwirtschaft und die vielen Berufspendler mit neuen Rahmenbedingungen konfrontiert.Zudem verschärft sich der Wettbewerb um leistungsstarke Mitarbeiter und ausbildungsfähige Jugendliche.

International zeigt sich Unruhe an den Börsen, auch durch die vorsichtige Korrektur der Niedrigzinspolitik. Die politische und wirtschaftliche Situation Europas wirft Fragen nach der zukünftigen Gemeinschaft auf. Nicht nur Zollbarrieren erschüttern die transatlantische Politik- und Wirtschaftsachse. Erfolgreiche Wirtschaften in Asien bedrohen traditionelle westlich dominierte Märkte. Die Ölpreisentwicklung mit großem Hebel für Investitionen in der Armaturenindustrie weist keine klare Richtung. Große Herausforderungen beim Schaffen von Infrastrukturen in Schwellenländern bieten interessante Märkte.

Nichtsdestotrotz waren die letzten Monate für die deutsche Armaturenindustrie sehr erfolgreich. Weltweit stieg die Nachfrage nach Industriearmaturen, getrieben von der wirtschaftlichen Erholung in Europa und großen Investitionen in China und USA. Impulse erwartet die Industriearmaturenbranche insbesondere in den Bereichen Chemie, Pharma und Lebensmittel.

Welche Herausforderungen sehen Sie derzeit für die Armaturenindustrie?

Weidner: Die Armaturenindustrie steckt seit Jahren in einem Konzentrationsprozess, der viele mittelständische Betriebe in ihrer Unabhängigkeit bedroht. Unternehmen, die nicht international aufgestellt sind, sind besonders betroffen.

Der Preisdruck aus asiatischer Fertigung steigt und wird weiter steigen. Die Hersteller wappnen sich dagegen durch den Ausbau von Fertigungsstätten in Niedriglohnländern und Verlagerung der Wertschöpfung. Der klassisch in Deutschland produzierte Guss als Grundwerkstoff für Armaturen beispielsweise stammt inzwischen vielfach aus Asien und Osteuropa.

Welche Rolle spielt Industrie 4.0 als Innovationstreiber für die Armaturenindustrie?

Weidner: Die Branche wird sich weiter mit dem Ausbau der Maschine-zu-Maschine Kommunikation befassen müssen, mittelfristig werden alle Produkte im Umfeld industrieller Anlagen miteinander „reden“ können und müssen.

Wichtige Grundlage für die erfolgreiche Einführung von Industrie 4.0 ist der herstellerunabhängige Austausch von Daten in der Produktion.

Mittelfristig müssen alle Produkte im Umfeld industrieller Anlagen miteinander „reden“ können.

Einheitliche Schnittstellen sind eine wichtige Voraussetzung für Industrie 4.0. OPC UA, als offener Schnittstellenstandard, soll die Umsetzung von Industrie 4.0 in definierten Schritten ermöglichen. Die Etablierung eines Standards und dessen Umsetzung wird uns noch eine Weile beschäftigen.

Kann Industrie 4.0 als maßgebliches Instrument zur „Komplexitätsreduzierung in der Produktion“ dienen?

Weidner: Als weiteren Punkt, der die Branche beschäftigt, sehen wir die zunehmende Polarisierung zwischen hoch standardisierten Produkten und bedarfsorientierten Kundenlösungen. Diese Schere wird auch zukünftig weiter auseinandertreiben. Dem beizukommen müssen wir die Komplexitätskosten fest im Blick haben. Ständige variantenspezifische Anpassungen in der Konstruktion treiben die Kosten hoch, ganz zu schweigen von der aufwendigen Dokumentation und Pflege des Ganzen, das spürt vor allen Dingen der mittelständische Armaturenhersteller.

Um zukunftsfähig zu bleiben, müssen wir mit weniger interner Vielfalt auf die vielen individuellen Kundenanforderungen reagieren. Gerade dann, wenn es sich um kleinere Losgrößen handelt. Schnell und flexibel zu reagieren bedeutet, die Komplexität der Produktion zu reduzieren und das geht am besten mit modularen Strukturen.

Inwieweit wird sich das Verhältnis zum Kunden ändern?

Weidner: Über kurz oder lang werden digitale Marktbearbeitungsstrategien an Bedeutung gewinnen. B2B-Einkaufsentscheidungen werden immer häufiger von sogenannten Digital Natives getroffen, die mit digitalen Medien bestens vertraut sind. Diese unter 40-jährigen sind mit dem Internet, Mobile und Suchmaschinen aufgewachsen und nutzen diese auch für die digitale Recherche. Wer online nicht ausreichend präsent ist, scheidet schon frühzeitig aus dem Suchprozess aus und kommt gar nicht erst in die engere Wahl. Gerade als konservative Branche müssen wir die Digital Natives, die zu unseren Kunden gehören, besser erreichen. Digitales Marketing ist dabei ein Werkzeug, das viel Potential bietet und dies gilt es zu nutzen.

Ich erwarte zudem, dass sich die Möglichkeiten zur digitalen Marktbearbeitung auch auf die Messelandschaft auswirken werden. Man könnte darüber spekulieren, wie lange klassische Industriemessen in der uns bekannten Art noch existieren werden. 

Welche Neuheiten und Trends erwarten Sie auf der ACHEMA?

Weidner: Ein Kernthema wird Kommunikation sein. Gespannt bin ich auf alle Anwendungen im Bereich IoT (Internet of Things). Industrie 4.0 und das Internet der Dinge ermöglichen die Vernetzung und Kommunikation von Maschinen und Anlagen.

Mithilfe von Predictive Maintenance können die Instandhaltungs- und Stillstandskosten enorm reduziert werden. Die vorausschauende Wartung von Produktionsanlagen erfolgt auf Basis von Echtzeitdaten. Sensoren erfassen den Verschleiß kritischer Bauteile einer Anlage und übertragen die Informationen an eine Software-Plattform. Diese analysiert die Echtzeitdaten und optimiert daraufhin den Wartungsplan für das Team an Servicetechnikern. Industrie 4.0 ist Pflichtprogramm für jedes Unternehmen, das morgen noch wettbewerbsfähig sein will.

.

Herr Weidner, wir bedanken uns für dieses Interview und wünschen Ihnen einen erfolgreichen Messeverlauf.

.

________________________________________________________________

MANKENBERG auf der ACHEMA 2018                 Halle C2.139

www.mankenberg.de

.sddsdfadadsfaf

.